Intransparente Verwaltung der Ausgleichsabgabe: Verlieren Wiens Gemeindebezirke Millionen für ihre Stadtbegrünung?

Bäume im Stadtgebiet sind unverzichtbar. Daher sind nach Fällungen grundsätzlich Ersatzpflanzungen vorgeschrieben. Sind diese im Umkreis von 300 Metern nicht möglich, können sie im selben Bezirk auf eigenem oder fremdem Grund erfolgen. Fehlt auch dafür der Platz, ist an die Stadt Wien eine sog. Ausgleichsabgabe zu leisten.

Mit der Novelle des Wiener Baumschutz-Gesetzes Ende 2024 ist diese Abgabe pro nicht ersetzten Baum von zuvor 1.090,- € auf 5.000,- € erhöht worden. Eine erfreuliche Novellierung, die nach mehr als einem Jahr einige Fragen bezüglich Transparenz der Mittelverwendung aufwirft…

Ausgleichsabgabe 2025: Einnahmen von 12,1 Millionen Euro – aber wofür?

Laut Bericht von ,Der Standard‘ vom 18. Juli 2026 (sh. Medienberichte unten) beliefen sich die Einnahmen per Ausgleichsabgabe im Jahr 2024 auf 8,8 Millionen Euro, im Jahr 2025 waren es bereits 12,1 Millionen Euro. Die Einnahmen sind im Sinne der Ziele des Wiener Baumschutzgesetzes zweckgewidmet – etwa für die Anpflanzung von Bäumen oder für Schutzmaßnahmen. Wofür die Mittel aber konkret verwendet werden, wird von der Stadt nicht mitgeteilt: Dass es zu diesen satten Millionenbeträgen keine detaillierten Aufzeichnungen gibt, bemängelte bereits Anfang 2026 der Stadtrechnungshof in einem Bericht explizit – sh auch ,Prüfung des Vollzugs des Wiener Baumschutzgesetzes inkl. Vorschreibung und Verwendung der Ausgleichsabgabe‘. Demnach fehlen konkrete Aufzeichnungen über die tatsächliche Verwendung der Millionenbeträge. Der Stadtrechnungshof fordert daher ausdrücklich, systematische und nachvollziehbare Aufstellungen über die Verwendung dieser Einnahmen zu führen!

Verlieren die Bezirke Millionen für ihre klimawirksame Begrünung?

Für ,Zukunft Stadtbaum‘ stellt sich zudem die Frage, ob den 23 Wiener Gemeindebezirken aufgrund fehlender Mittel-Verwaltung womöglich Millionenbeträge für dringend benötigte Straßenbegrünungen verloren gehen. Die Ausgleichsabgabe darf ausschließlich für Erhalt und Pflege unserer Stadtbäume und Grünflächen verwendet werden – und das muss im Sinne der Transparenz absolut nachvollziehbar sein!

Jetzt sind die Bezirks-Parlamente an der Reihe, diesen Rechnungshofbericht näher zu studieren, die Stadt Wien an ihre Pflichten zu erinnern, und die Zweckbindung der Ausgleichsabgabe für ihre klimawirksamen Begrünungsprojekte (fraktionsübergreifend!) einzufordern.

MEDIENBERICHTE:

Zwölf Millionen Euro Ersatzzahlungen für gefällte Bäume: Was passiert damit? (18.07.2026):

https://www.derstandard.at/story/3000000330717/zwoelf-millionen-euro-ersatzzahlungen-fuer-gefaellte-baeume-was-passiert-damit

Abgabe für Baumfällung: Stadtrechnungshof kritisiert unklare Geldflüsse (16.01.2026):

https://kurier.at/chronik/wien/stadtrechnungshof-wien-baeume-baumfaellung-ausgleichszahlung/403121846#:~:text=Grund%20f%C3%BCr%20die%20Steigerung%20ist,EUR%20ihren%20H%C3%B6chstwert.

Stadtrechnungshof legt Mängel im Wiener Baumschutz offen (15.01.2026):

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260115_OTS0079/gruene-wienwirnsberger-stadtrechnungshof-legt-maengel-im-wiener-baumschutz-offen