Favoriten/,Tangentenpark‘: Verspätete Zusatz-Bewässerung gefährdet dutzende Jungbäume. Es braucht endlich einen Hitzenotfall-Plan für Wiens Bäume!

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Groß war die Freude, als auf dem rund sechs Hektar großen Areal der ehemaligen Ausfahrt Simmering der Südosttangente (A23) ein öffentlicher Grün- und Freiraum mit Spiel-, Sport-, Erholungs- und Freizeitangeboten errichtet wurde – der sog. ,Tangentenpark‘. Zudem wurden hunderte junge Bäume gepflanzt. Das große Eröffnungsfest fand Ende Juni 2024 statt.

Seitdem ist es recht still um diese neu geschaffene Grünfläche geworden – kein Politiker verirrt sich mehr hierher. Das verwundert nicht weiter, zumal sich nach der monatelangen Trockenheit den Besucher:innen ein eher trauriges Bild bietet: Dutzende Jungbäume drohen zu vertrocknen und müssen wohl im Herbst dieses Jahres ersetzt werden. Doch alle paar Jahre nachzupflanzen wird das Problem auf Dauer nicht lösen. Es braucht endlich ein nachhaltiges Pflegekonzept für Wiens gesamten (Jung)Baumbestand!

Jungbäume im ,Tangentenpark‘ – ein erschreckender Anblick (Fotos: Katrin Fallmann):

,ZUKUNFT STADTBAUM‘ FORDERT HITZENOTFALL-PLAN FÜR WIENS STADTBÄUME!

Der Wüstenzustand im ,Tangentenpark‘ ist leider nur eines von zig Wiener Beispielen. Die zahlreichen Hitzetage sind für jeden fühlbar geworden und haben auch Spuren an der Vegetation hinterlassen: Dürre Äste bei älteren Stadtbäumen, „nur“ entlaubte, aber auch abgestorbene Jungbäume, sowie Bäume, die ihre noch grünen Blätter abwerfen. Zudem häufen sich Berichte von kollabierten Bäumen, denen der Gesamtstress von Wassermangel, Salzstreuung, (nächtlichen) Extremtemperaturen, Schadstoffbelastung, Bodenpflegemangel, mechanischen Stammschäden, fehlender Kronenpflege etc, zu viel geworden ist. Es wird in Zukunft auch ein großflächiges Regenwassermanagement (mehr Rückhaltebecken oder -tanks) geben müssen, damit Starkregen nicht nur zur kurzfristigen Kanal-Spülung dient.

Doch von der Wiener Stadtregierung hört man diesbezüglich seit Wochen nichts – da sind wohl alle auf Hitzeferien!? Tatsache ist, dass sich Wiens (Umwelt)politik nicht mehr von einem Hitzesommer zum nächsten Hitzesommer durchwurschteln kann – in der Hoffnung, dass es bald wieder regnet und die Temperatur sinken wird. Dieses ,Durchtauchen‘ hat jahrzehntelang funktioniert. In Zeiten der fortschreitenden Klimakrise ist das kein zukunftstaugliches Krisenmanagement mehr!

Unsere fünf konkreten Forderungen:

  • Sofortiger Hitze-Notfallplan ab 35 °C
  • Einsatz zusätzlicher Gießfahrzeuge im Zwei- bzw. Dreischichtbetrieb – insbesondere vor angekündigten Hitzeperioden.
  • Priorität für ältere Straßenbäume (Naturdenkmäler), Alleen und besonders wassermangelempfindliche Baumarten (z.B. Birken, Sommer- u. Winterlinden, Spitzahorne, Rosskastanien) – Erstmaßnahmen: Baumscheiben-Erweiterung & Entsiegelung
  • Flächendeckende Notbewässerung statt Einzelmaßnahmen:
    • Nutzung vorhandener Hydranten mit druckreduzierten Bewässerungssystemen zur Versorgung ganzer (Jung)Baumreihen.
    • Regelmäßige Kontrolle automatischer Bewässerungs-Systeme, die immer wieder ausfallen…
    • Veröffentlichung & Einsicht in einen transparenten Bewässerungsplan für besonders gefährdete Standorte.
  • Verbesserung der Baumstandorte
    • Konsequente Bodenlockerung, Mulchschichten, Begrünung offener Baumscheiben & Verbesserung der Boden-Wasserspeicherung.
    • Diese Maßnahmen sind langfristig kostengünstiger und erhöhen die Widerstandskraft der Bäume nachhaltig.
  • Transparenz über den Zustand des Wiener Baumbestandes
    • Veröffentlichung von Daten über Trocken- und Hitzeschäden, Baumverluste sowie durchgeführte Bewässerungsmaßnahmen. (Kategorie ORANGE im Wiener Baumkataster).
    • Nur mit nachvollziehbaren Daten kann die Bevölkerung den Erfolg der Maßnahmen beurteilen.
  • Transparente Verwendung der ,Ausgleichsabgabefür Jungbaumpflege & -bewässerung.
  • Hitzeaktionsplan für den Straßenverkehr
    • An Tagen mit extremer Hitze und hoher Ozonbelastung Aufrufe zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sowie verstärkte Information über die Bedeutung der Stadtbäume für das Stadtklima.
  • Jeder geschädigte Altbaum bedeutet über Jahrzehnte einen Verlust an Kühlleistung, Luftreinigung und Lebensqualität. Die Kosten einer rechtzeitigen Bewässerung sind deutlich geringer als jene für Fällung, Entsorgung und Warten auf die Klimawirksamkeit der Ersatzpflanzungen (bei gutem Wachstum und ohne mehrmaligen Ausfall derselben…)
  • Wir  appellieren daher an die Stadt Wien, den Schutz der bestehenden Stadtbäume endlich als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und eines umfassenden (bis dato fehlenden!) Hitzeschutzes zu behandeln. Keine bedingungslosen Baumfällungen für (Wohn)Bauprojekte und inadäquate Ersatzpflanzungen.

MEDIENBERICHTE:

Werden im Herbst ersetzt: Jungbäume in Tangentenpark in Favoriten leiden unter Hitzestress (24.07.2026):

https://www.meinbezirk.at/favoriten/c-lokales/jungbaeume-in-tangentenpark-in-favoriten-leiden-unter-hitzestress_a8814582